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Das Hofladen-Verzeichnis. Frische Lebensmittel aus der Region auf dem Bauernhof einkaufen.
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Ich bin Bauer!

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Montag, 1. August 2016 Ernährung, Landwirtschaft, Markt

von Bauer Willi

Ich bin Bauer. Der Bauer, der Ihre Lebensmittel macht. Und ich habe ein Problem mit Ihnen. In unserer Beziehung von Erzeuger und Verbraucher stimmt was nicht mehr. Und vielleicht haben Sie das auch schon bemerkt.

Bauer Willi

Dass Sie die Lebensmittel möglichst billig einkaufen wollen, weiß ich ja. Daran hat sich auch im Wesentlichen nichts geändert, auch wenn Sie etwas anderes behaupten.

Denn wenn Ihnen Lebensmittel etwas wert wären, würden Sie nicht so viel wegwerfen. Und das Sie immer auf Qualität achten? Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich dann doch für das billigere Produkt.

Gut, die Discounter verkaufen jetzt auch Markenprodukte. Dafür gehen die Supermärkte mit ihren Eigenmarken jetzt auch in Richtung Billigware, um ihre Marktanteile nicht zu verlieren. Alles nichts Neues, alle drücken den Preis beim Erzeuger so weit wie es geht. Macht ja jeder so und wer da nicht mitkommt,  muss halt aufhören und ist selber schuld.

Auch wenn es sich etwas zynisch anhört: Das ist für mich als Bauer nicht das ganz große Problem. Womit ich nicht mehr zurechtkomme sind die Ansprüche, die Sie, lieber Verbraucher und Mitbürger an mich stellen. Sie wollen doch auch keine Massentierhaltung, oder?

Das Supermarkthähnchen kostet 2,79 Euro und wiegt 1200 Gramm. Und das Würstchen, das Sie auf Ihren 800 Euro teuren Grill legen, soll nicht mehr als 79 Cent kosten. Was glauben Sie denn, wie das anders gehen soll als mit großen Einheiten? Wenn 100 Gockel auf der Wiese hinter dem Haus laufen, sieht das zwar schön aus und erregt Wohlgefallen – aber so ein Biohuhn kostet auch mal gut und gern 24 Euro. Und das ist Ihnen dann doch zu viel. Nun gut, vielleicht alle paar Monate mal eines. Um das Gewissen zu beruhigen.

Sie, lieber Verbraucher, sind schizophren. Klingt hart, ist aber so. Natürlich nicht im klinischen Sinn. Doppelte Moral würde es wohl besser treffen. Sie werfen uns Bauern Massentierhaltung vor, aber dann kneifen Sie den Schwanz ein, wenn sie für eine andere Form der Tierhaltung mehr bezahlen sollen. In Umfragen wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Wenn es stimmen würde, was da so von Ihnen ins Mikrofon gesagt wird, würde mindestens jeder vierte nur noch Biofleisch kaufen. In der Realität ist es kaum mehr als ein Prozent. Und der Anteil steigt kaum, obwohl die Kritik an der Tierhaltung immer weiter zunimmt.

Und ähnlich ist es doch mit Ihrem Einkaufsort: in der Woche schnell zum Discounter, am Wochenende dann mal im Bauernladen 2 kg Kartoffeln kaufen. Und dann den Freunden erzählen, „ich kaufe ja vorwiegend bei meinem Bauern in der Nachbarschaft, das ist ja regional“. Und vielleicht noch den Zusatz „dass ich ja die heimischen Bauern unterstützen möchte“.

Was mich ärgert: Dass ich mich mit Ihren Vorwürfen ständig auseinandersetzen muss. Weil Sie mich darauf ansprechen und ich mich entschuldigen soll. Wofür eigentlich? Dafür, dass Sie alles nur billig haben wollen? Und Sie eigentlich wissen, wie es produziert wurde. Ja, ich weiß, bei bestimmten Textil- und Schuhketten kauft ja angeblich auch niemand ein, genauso wie niemand die „Bild“-Zeitung liest. Doch diese Läden sind voll und jeder weiß, dass das T-Shirt für 5 Euro in Bangladesch produziert wurde. Und die Bild-Zeitung hat eine Millionen-Auflage.

Klar, Atomkraft wollen Sie auch nicht, Windkraft ja, aber bitte nicht vor Ihrer Tür. Organischer Dünger aus Biogasanlagen: stinkt Ihnen – buchstäblich. Ja, ist schon klar. Immer schön egoistisch und nur nicht daran denken, wie der Bauer das hinkriegen soll. Sympathisch wird der erst wieder dann, wenn Sie billiges Bauland bei ihm kaufen können. Und wenn Sie dann aus der Stadt ihr Häuschen im Grünen gebaut haben, stören die Landwirte wieder nur. Die großen Trecker verdrecken die Wirtschaftswege, spät am Abend laufen noch die Mähdrescher und machen Krach und Staub, während Sie auf der Terrasse sitzen. Schnell mal das Ordnungsamt anrufen, oder doch besser gleich die Polizei. Sollen die sich doch darum kümmern. Sie haben ja schließlich Feierabend und wollen ihr Leben auf dem Land genießen.

Hilfspaket für Milchbauern. Schon wieder Geld vom Staat! Verstehen Sie nicht. Das verstehe ich und stimme ihnen zu. Wenn zu viel produziert wird, fällt der Preis. Das ist bei Schweinen so, bei Getreide, Raps und Kartoffeln. Doch da schreit niemand nach dem Staat, das ist Markt und da gibt es Höhen und Tiefen. Wie in anderen Branchen auch.
Dennoch: es ist einfach, mit dem Chor der Kritiker mitzusingen. Sie tun das wahrscheinlich auch. Ob es die diversen Umwelt- oder Naturschützer, Tierschützer oder die Grünen sind: Alle erklären uns Bauern, was wir aus deren Sicht falsch machen. Und haben wir die eine Anforderung erfüllt, wird die nächste aufgestellt. Da macht jetzt auch der Lebensmitteleinzelhandel mit. Teils sind die Forderungen auch widersprüchlich: Ein Verbot der Anbindehaltung bei Rindern führt zwangsläufig zu größeren Ställen – und dann betreiben wir wieder Massentierhaltung. Alle neuen Verbote, Vorschriften und Regelungen führen in der Konsequenz dazu, dass der bäuerliche Familienbetrieb ausstirbt. Weil er die Auflagen nicht mehr erfüllen kann und die Jugend „keinen Bock“ mehr hat.

Ob es schlimm ist, wenn es statt Bauernhöfen schließlich wirklich nur noch Agrarfabriken gibt? Das müssen Sie entscheiden. Wenn Sie statt Managern Menschen haben wollen, denen die Natur noch etwas wert ist, sollten Sie das zum Ausdruck bringen. Und nicht mitschimpfen, wenn alle schimpfen. Sie sollten sich selbst informieren, anstatt Vorgekautes einfach so glauben.  Vielleicht sollten Sie einfach mal rausfahren aufs Land und in einem Hofladen einkaufen. Da bekommen Sie Lebensmittel „mit Erklärung“. Aus erster Hand.
Vielleicht sind wir Landwirte auch nicht ganz unschuldig an der Misere. Wir haben Ihnen lange Zeit nichts von unseren Produktionsweisen erzählt und gezeigt. Das wollen wir ändern. Am 1. Oktober soll es in Deutschland, Österreich und Südtirol den ersten Regio Day geben, also den Tag der heimischen Lebensmittel geben. Es wäre schön, wenn viele Erzeuger und viele Konsumenten sich dann begegnen würden. Schauen Sie mal rein bei www.regioday.com

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