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Warum verschwanden die altdeutschen Apfelsorten aus den Regalen?

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Freitag, 5. September 2014 Bio, Ernährung, Landwirtschaft, Markt

Sie sind knackig, aromatisch, einfach lecker und erleben zur Zeit eine Renaissance: die altdeutschen Apfelsorten. Sie tragen klangvolle Namen wie: Adersleber Kalvill, Ambrosia, Annie Elizabeth, Boikenapfel, Rheinischer Krummstiel oder Rheinischer Bohnapfel.
Während in den großen Supermärkten lediglich die immer gleichen wenigen Apfelsorten wie Braeburn vorrätig sind, können auf Wochenmärkten, in diversen Bioläden, aber vor allem im Hofladen direkt beim Apfelbauer noch altdeutsche Apfelsorten bezogen werden. 

Aber was ist mit den guten alten Apfelsorten geschehen? Warum verschwanden Sie aus den Regalen? Und was hat die Bundesregierung damit zu tun?

Apfelbaum

Warum verschwanden die altdeutschen Apfelbäume aus den Regalen?

Zur Geschichte

Vom 16. Jahrhundert an bis etwa zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Obst vor allem auf sogenannten Streuobstwiesen angebaut. In einer Mischkultur standen hier vor allem hochstämmige Obstbäume vieler verschiedener Sorten und unterschiedlichen Alters locker verteilt, also ohne geradliniges System. Ein Vorteil dieser Form des Obstanbaus bestand in der Mehrfachnutzung zwischen dem Obstanbau als solchen, außerdem als reines Grünland, als Mähwiese zur Heugewinnung sowie als Weideland für das Vieh.

Mit fortschreitendem Straßenbau entstanden auch sogenannte Obstalleen, da für die Ernte der vorliegende Transportweg unmittelbar genutzt werden konnte.

Die Streuobstwiesen entwickelten sich neben ihrer (land)wirtschaftlichen Bedeutung in der damaligen Zeit vor allem auch zu einem prägenden landschaftlichen Faktor. Dörfer und Städte waren vom Streuobstanbau umgeben. Für die Versorgung der Bevölkerung wurde er unverzichtbar, weshalb das Wissen um die Pflege und Verarbeitung des Obstes fester Unterrichtsbestandteil war.

Der Rückgang der Streuobstwiesen

Zwischen 1960 und 2010 verschwanden 75% aller für den Streuobstanbau genutzten Flächen. Hierfür sind vor allem zwei Gründe zu nennen: zum einen begann in den 20er Jahren der Trend zum Obstplantagenbau im Rahmen einer Monokultur, welcher allerdings durch den 2. Weltkrieg zunächst gestoppt wurde.

Schicksalskräftiger ist dagegen der 15. Oktober 1953, als das Bundesernährungsministerium mit dem “Emser Beschluss” das Ende des Straßen-Obstanbaus, des Streuanbaus von hoch- und halbstämmigen Obstbäumen sowie der Mischkultur insgesamt verordnete zugunsten von Obstplantagen.

Dieser Trend zum Plantagenanbau wurde von der Europäischen Gemeinschaft (Abkürzung EG, der Vorgänger der heutigen EU) aufgegriffen. Dies ging sogar soweit, das seitens der EG sogenannte Rodungsprämien auf jeden gefällten hochstämmigen Obstbaum angesetzt wurden. Dadurch wurden viele Steuobstwiesen sozusagen subventioniert in Obstplantagen umgewandelt. Obstplantage bedeutet im Detail, das im Rahmen von Monokultur lediglich eine einzige Sorte auf dem jeweiligen Areal der Plantage angebaut wird.

Damit dürfte die eingangs gestellte Frage beantwortet sein, warum die vielfältigen Apfelsorten “von früher” aus den Regalen der Supermärkte verschwanden. Aber warum wurde diese Reduktion der Sortenvielfalt angewandt und sogar noch staatlich bzw. auf EU-Ebene gefördert?

Wie schon mehrfach erwähnt, sind die alten Apfelbäume vor allem hochstämmige Bäume, wodurch die Ernte erschwert wird. Außerdem sind hochstämmige Obstbäume erst ab dem 10. Jahr ertragsfähig, während niedrigstämmige Bäume schon ab dem 4. Jahr Erträge aufweisen und die Ernte bereits in den Markt gelangen kann. Obendrein beträgt die Baumdichte auf Streuobstflächen pro Hektar je nach Sorten zwischen 60 und 120 Bäume, während auf Obstplantagen bis zu 3000 Bäume pro Hektar Platz finden.

Um eine breite Versorgung der Bevölkerung mit Obst zu bewährleisten, wurde also dieser Schritt hin zur Plantagenwirtschaft erforderlich. Dennoch müssen Genießer und Apfelliebhaber aber nicht grundsätzlich auf ihre “alten” Lieblingssorten verzichten. Auch heute noch gibt es viele Apfelbauern, die sogar neue Apfelsorten durch Veredelung generieren oder aber längst totgesagte Apfelsorten mit nur geringen Beständen erneut rückgewinnen.

Freuen wir uns also gemeinsam auf den Herbst, die Jahreszeit mit der größten Vielfalt an geernteten Apfelsorten.

Eine umfangreiche Liste von Apfelsorten hält die Wikipedia bereit.

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